Künstliche Intelligenz verändert derzeit viele Branchen – besonders sichtbar wird ihr Potenzial jedoch im Gesundheitswesen. Hier trifft KI auf große Datenmengen, komplexe Entscheidungsprozesse sowie hohe Anforderungen an Qualität und Sicherheit. Genau deshalb lässt sich im medizinischen Kontext besonders gut beobachten, wo KI bereits heute echten Mehrwert schafft. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Literaturstudie wurde untersucht, in welchen Bereichen KI in der Medizin konkret eingesetzt wird und welche Anwendungsfälle besonders wertstiftend sind. Die Analyse zeigt: Ki entfaltet ihr Potenzial in der Medizin besonders dort, wo große Datenmengen ausgewertet, Entscheidungen vorbereitet oder Prozesse automatisiert werden müssen.

Die Literatur zeigt vier zentrale Einsatzfelder, in denen KI bereits heute messbaren Nutzen im Gesundheitswesen erzeugt. Die folgenden in der Studie ermittelten Cluster geben einen strukturierten Überblick über typische Anwendungsfälle und deren Mehrwert.

Cluster A: Diagnostische Entscheidungsunterstützung (klassifizieren, markieren, triagieren)

Ein großer Nutzen entsteht durch KI in der Medizin dort, wo sehr viele Informationen ausgewertet werden müssen – etwa bei medizinischen Bildern oder Untersuchungsergebnissen. KI unterstützt Fachpersonal dabei, Auffälligkeiten sichtbar zu machen, Fälle zu priorisieren und Entscheidungen vorzubereiten. Typische Einsatzformen sind:

  • das Markieren auffälliger Bereiche (als Hinweis, nicht als endgültige Entscheidung),
  • die Priorisierung von Fällen („Diesen Fall bitte zuerst anschauen“),
  • eine zusätzliche Bewertung im Sinne einer „zweiten Meinung“.

Ein konkreter Anwendungsfall für KI in der Diagnostik ist der Einsatz bei der Brustkrebs-Früherkennung durch Mammographie-Screenings. KI-Systeme analysieren Röntgenaufnahmen automatisch, markieren auffällige Bereiche und unterstützen Ärzt:innen bei der Auswertung. Studien zeigen, dass Systeme wie Transpara eine vergleichbare Trefferquote wie das klassische Doppelbefundungsverfahren erreichen und gleichzeitig die Befundung beschleunigen. Das Beispiel verdeutlicht, wie KI in der Medizin als unterstützendes Werkzeug eingesetzt wird, um Auffälligkeiten schneller zu erkennen und Entscheidungen zu erleichtern1. So können durch den KI-Einsatz auch das Fachpersonal entlastet, Wartezeiten verkürzt und kritische Fälle schneller erkannt werden – besonders, wenn große Datenmengen ausgewertet werden müssen.

Cluster B: Monitoring & Frühwarnsysteme (kontinuierlich beobachten, Abweichungen erkennen)

Ein weiteres zentrales Einsatzfeld für KI in der Medizin ist die kontinuierliche Auswertung von Gesundheitsdaten. Gerade bei regelmäßig anfallenden Messwerten lassen sich Muster erkennen, die für Menschen schwer sichtbar sind. Typische Funktionen umfassen:

  • die automatisierte Überwachung von Vitaldaten,
  • das frühzeitige Erkennen ungewöhnlicher Veränderungen,
  • die Generierung von Warnmeldungen oder Handlungsempfehlungen.

KI-Anwendungen können Sensordaten wie Herzfrequenz oder Blutdruck in Echtzeit auswerten und dadurch akute Risiken frühzeitig identifizieren. Wearable-Technologien ermöglichen dabei eine kontinuierliche Überwachung auch außerhalb von Krankenhäusern. Zusätzlich können Systeme automatisch verständliche Warnmeldungen oder individualisierte Empfehlungen bereitstellen2,3.  Dadurch können Risiken früher erkannt, Behandlungen rechtzeitig eingeleitet und Patient:innen auch außerhalb medizinischer Einrichtungen kontinuierlich betreut werden.

Blog-Umfrage_Hürden KI-Einsatz

Cluster C: Therapie- und Versorgungsunterstützung (personalisieren, planen, begleiten)

KI kommt in der Medizin auch bei der Vorbereitung und Planung von Behandlungen zum Einsatz. Durch die Analyse umfangreicher Daten können individuellere Empfehlungen und strukturierte Entscheidungsgrundlagen entstehen. Einsatzmöglichkeiten sind beispielsweise:

  • die Ableitung personalisierter Therapieempfehlungen,
  • die Vorhersage möglicher Risiken oder Nebenwirkungen,
  • die Unterstützung bei der Behandlungs- oder Operationsplanung.

Machine-Learning-Modelle analysieren umfangreiche Patientendaten wie genetische Informationen, Krankengeschichte oder Lebensstilfaktoren, um personalisierte Therapieempfehlungen zu generieren. Darüber hinaus unterstützen KI-Systeme bei der Operationsplanung, etwa bei der Auswahl geeigneter Implantate oder der Simulation chirurgischer Ergebnisse2,4. Behandlungen können somit stärker individualisiert und Entscheidungen strukturierter getroffen werden. Zudem lassen sich durch KI medizinische Eingriffe präziser planen.

Cluster D: Prozess- und Workflow-Automatisierung (Dokumentation, Abrechnung, Ressourcen)

Neben der direkten Behandlung unterstützt KI auch organisatorische und administrative Abläufe in der Medizin. Gerade bei zeitintensiven Routineaufgaben trägt KI dazu bei, Prozesse effizienter zu gestalten. Dazu zählen insbesondere:

  • die automatische Extraktion von Informationen aus medizinischen Texten,
  • die Unterstützung bei Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben,
  • die Strukturierung organisatorischer Abläufe.

Natural Language Processing-Systeme können Informationen aus unstrukturierten klinischen Texten wie Arztbriefen oder Befunden automatisch analysieren und strukturieren. Darüber hinaus übernehmen KI-Systeme administrative Aufgaben wie Dokumentation oder Abrechnungsprozesse und entlasten medizinisches Personal3,5,6. Der Verwaltungsaufwand sinkt, Abläufe werden effizienter und medizinisches Fachpersonal gewinnt mehr Zeit für die eigentliche Behandlung.

Was erfolgreiche KI-Anwendungsfälle in der Medizin gemeinsam haben

Aus der Betrachtung wird deutlich: KI entfaltet ihren Nutzen besonders dann, wenn sie

  • in bestehende Workflows integriert ist (statt als Insellösung),
  • messbare Ziele adressiert (Zeit, Qualität, Ressourceneinsatz),
  • als „Augmented Intelligence“ gestaltet ist – KI unterstützt, der Mensch entscheidet,
  • Transparenz und Nachvollziehbarkeit bietet,
  • auf einer verlässlichen Datenbasis aufsetzt.

Auch Unternehmen außerhalb der Medizin profitieren von den Vorteilen der Studie

Auch wenn sich der Beitrag auf KI in der Medizin fokussiert, sind die identifizierten Muster branchenübergreifend relevant – insbesondere für Unternehmen, die KI-Produkte entwickeln oder einsetzen. Hier ein paar Beispiele, die dies verdeutlichen:

  • Triage/Priorisierung: Routing von Tickets, Fällen, Leads oder Risiken
  • Monitoring/Frühwarnung: Churn-, Fraud-, Prozess- oder Anlagen-Anomalien
  • Entscheidungsunterstützung: Co-Piloten für Service, Vertrieb oder Qualitätssicherung
  • Workflow-Automatisierung: Dokumente, Backoffice, Prüfprozesse, Vorbefüllung

Durch die Studie lässt sich folgendes Kernprinzip für den Einsatz von KI ableiten: Nicht „KI als Feature“ entscheidet über Erfolg, sondern KI als Verbesserung konkreter Arbeitsabläufe mit klar messbaren Ergebnissen.

Fazit: Die Literaturstudie zeigt, dass KI in der Medizin besonders dann Wert stiftet, wenn sie gezielt in Diagnostik-Unterstützung, Monitoring, Therapieplanung und Workflow-Automatisierung eingesetzt wird – und wenn Verantwortlichkeiten, Datenbasis und Transparenz konsequent berücksichtigt werden. Genau diese Kombination macht KI-Lösungen nicht nur leistungsfähig, sondern auch praktikabel.

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Weiterführende Quellen:

  1. Lång, K., Josefsson, V., Larsson, A.-M., Larsson, S., Högberg, C., Sartor, H., … & Rosso, A. (2023). Artificial intelligence-supported screen reading versus standard double reading in the Mammography Screening with Artificial Intelligence trial (MASAI): A clinical safety analysis. The Lancet Oncology, 24(8), 936–944. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(23)00298-X
  2. Rawat, B., Joshi, Y., & Kumar, A. (2023). AI in healthcare: Opportunities and chal-lenges for personalized medicine and disease diagnosis. In 2023 5th International Conference on Inventive Research in Computing Applications (ICIRCA) (pp. 374–379). https://doi.org/10.1109/ICIRCA57980.2023.10220746
  3. Mudgal, S. K., Agarwal, R., Chaturvedi, J., Gaur, R., & Ranjan, N. (2022). Real-world application, challenges and implication of artificial intelligence in healthcare: An essay. Pan African Medical Journal, 43(3). https://doi.org/10.11604/pamj.2022.43.3.33384
  4. Wong, K. C., & Kumta, S. M. (2013). Computer-assisted tumor surgery in malignant bone tumors. Clinical Orthopaedics and Related Research, 471(3), 750–761. https://doi.org/10.1007/s11999-012-2625-0
  5. Ghassemi, M., Naumann, T., Schulam, P., Beam, A. L., Chen, I. Y., & Ranganath, R. (2020). A review of challenges and opportunities in machine learning for health. AMIA Joint Summits on Translational Science Proceedings, 2020, 191–200.
  6. Mehta, N., & Pandit, A. (2018). Concurrence of big data analytics and healthcare: A systematic review. International Journal of Medical Informatics, 114, 57–65. https://doi.org/10.1016/j.ijmedinf.2018.03.008

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Über den Autor

Henrik Fletzoreck

Senior Consultant

"Daten sind wichtig, um mit BI & Analytics steuerungsrelevante Informationen zu generieren. Als Senior Consultant unterstütze ich Unternehmen bei der Konzeption, Realisierung und Einführung passgenauer Lösungen. Diese kontinuierliche Dynamik treibt mich an und ermöglicht es mir, mein Wissen ständig zu erweitern."

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