Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) ist ein etabliertes Modell zur Darstellung und Analyse von standardisierten Prozessen. Im Folgenden werden die grundlegenden Elemente, die Verknüpfungsregeln sowie die Vor- und Nachteile dieser Methode erläutert.
Kernelemente der Ereignisgesteuerten Prozesskette
Die einzelnen Komponenten der EPK sind in der folgenden Tabelle beschrieben.
Tabelle 1: Graphische Symbole des EPK Modells (Vgl. Baumgartner, Ebert, Schleider S.6-7, Hansmann (2006), S. 205.)
Regeln der Ereignisgesteuerten Prozesskette
(Vgl. Baumgartner, Ebert, Schleider S.11-15 19-21, Mands (2015), S. 17.)
Der Aufbau der EPK folgt einigen relativ übersichtlichen Regeln zum Aufbau, der Syntax und Verknüpfungen:
Der Ablauf der EPK bzw. die Flussrichtung orientiert sich von oben nach unten. Eine EPK beginnt dabei entweder mit einem Ereignis oder einem Prozesswegweiser, aber niemals mit einer Funktion. Ebenso besteht das Ende immer aus einem Ergebnis-Ereignis (End-Ereignis) oder einem Prozesswegweiser, aber nicht mit einer Funktion.
Zwischen Beginn und Ende gibt es mehrere zu beachtende Regeln: Ein Ereignis kann nicht direkt einem anderen Ereignis folgen bzw. bevorstehen. Ein Ereignis folgt oder geht einer Funktion voraus und hat nur eine Ausgangs- und nur eine Eingangslinie.
Eine Funktion kann nicht direkt mit einer anderen Funktion verbunden werden. Die Verbindung einer Funktion zu einem Prozesswegweiser ist ebenfalls ungültig. Mit Funktionen werden Organisationseinheiten und Informationsobjekte verknüpft. Hierzu werden Pfeile verwendet, wobei die Richtung der Pfeile den Informationsfluss beschreibt. Die Abbildung 1 a) bietet ein Beispiel für einen Informationsfluss zwischen Informationsobjekten einer Funktion.
Ein Prozesswegweiser kann nicht direkt mit einer Funktion verbunden werden, d.h. ein Prozesswegweiser folgt oder steht vor einem Ereignis und kann nur eine Ausgangs- und nur eine Eingangslinie haben.
Alle Objekte einer EPK müssen miteinander entweder durch Pfeile, im Fall von Ereignissen, Prozesswegweisern, Funktionen, Operatoren und Daten, oder, im Fall von Organisationseinheiten, mit Linien verbunden werden. Isolierte („lose“) Objekte sind ungültig.
Abbildung 1: Beispiele für Ereignisgesteuerte Prozessketten (Vgl. Hansmann (2006), S. 206.)
Hinweise: Die Abbildungen (a) und (b) veranschaulichen typische Abläufe der EPK: Abbildung (a) zeigt den Informationsfluss in der Wareneingangsbearbeitung, Abbildung (b) stellt eine Fertigungsdurchführung dar.
Kurz zusammengefasst, gelten bei der EPK folgende zulässige Regeln:
- Ereignisse besitzen jeweils eine Ein- und eine Ausgangslinie, folgen nie direkt aufeinander, sondern müssen mit einer Funktion verknüpft sein.
- Funktionen dürfen ebenfalls nicht direkt an andere Funktionen oder Prozesswegweiser anschließen.
- Informationsobjekte und Organisationseinheiten sind mit Funktionen über gerichtete Pfeile bzw. Zuordnungslinien verbunden, dessen Richtung den Informationsfluss beschreibt.
- Prozesswegweiser dürfen nur an Ereignisse, jedoch nicht an Funktionen anschließen.
- Zudem gilt als Verbindlichkeit: Jedes EPK-Objekt muss konkret eingebunden sein.
Die UND-Verknüpfung der EPK
Es ist möglich, dass mehrere Ereignisse einer Funktion bevorstehen bzw. folgen, oder, dass einem Ereignis mehrere Funktionen bevorstehen, von denen eins oder mehrere zum betrachteten Zeitpunkt ihre Gültigkeit haben. Diese Fälle werden mit Hilfe von logischen Verknüpfungen (Bedingungen) abgebildet:
Die UND-Verknüpfung zeigt an, dass alle Ereignisse erfüllt sein müssen, damit eine Funktion ausgeführt werden kann, bzw. dass alle Funktionen abgeschlossen sein müssen, bevor ein Ergebnis, oder auch mehrere Ereignisse, eintritt, bzw. eintreten.
In der Abbildung 1b) ist ein Beispiel abgebildet, indem zwei Ereignisse eine Funktion anstoßen, und eine Funktion zu zwei Ereignissen (Ergebnissen) führt. Die Abbildung 2 stellt alle möglichen UND-Verknüpfungen dar.
Abbildung 2: Erlaubte UND-Verknüpfungen
Die ODER-Verknüpfung der EPK
Die ODER-Verknüpfung gibt an, dass mindestens ein Ereignis eingetreten sein muss, damit eine Funktion angestoßen wird bzw. das Ausführen einer Funktion zu mindestens einem Ereignis führt. Es schließt nicht aus, dass auch mehrere Ereignisse gleichzeitig eintreten können, damit eine Funktion angestoßen wird bzw. dass eine Funktion gleichzeitig zu mehreren Ereignissen führt.
In der Abbildung 3 sind alle erlaubten ODER-Verknüpfungen abgebildet.
Abbildung 3: Erlaubte ODER-Verknüpfungen
Die XOR-Verknüpfung der EPK
Die XOR-Verknüpfung ist eine Ausschluss-Verknüpfung, d.h. aus mehreren Ereignissen, die eine Funktion anstoßen können, muss genau eins und nur eins von mehreren eintreten, damit eine Funktion ausgeführt wird. Wenn eine Funktion zu mehreren Ereignissen führen kann, so ist bei dieser Verknüpfung nur eins von mehreren Ereignissen gültig (siehe Abbildung 1 a) EPK: Wareneingangsbeschreibung).
In der Abbildung 4 sind alle erlaubten XOR-Verknüpfungen abgebildet.
Abbildung 4: Erlaubte XOR-Verknüpfungen
Alle logischen Verknüpfungen können entweder mehrere Eingangs-, aber dann nur eine Ausganslinie, oder mehrere Ausgangs-, aber dann nur eine Eingangslinie haben.
Im Gegensatz zur Funktion hat ein Ereignis keine Entscheidungskraft, d.h. nach einem Ereignis darf keine ODER- bzw. XOR-Verknüpfung zu mehreren Funktionen stattfinden. Abbildung 5 gibt die verbotenen Verknüpfungen wieder.
Abbildung 5: Verbotene Verknüpfungen
Vor- und Nachteile der Ereignisgesteuerten Prozesskette
Wie jedes Modell hat auch die EPK ihre Vor- und Nachteile:
Vorteile der EPK
- Flexibilität: EPK eignet sich gut zur Modellierung strukturierter Geschäftsprozesse in unterschiedlichen Fachbereichen.
- Verständlichkeit: Durch die grafischen Darstellung und einfache Symbolik ist die EPK auch für Fachabteilungen ohne IT-Hintergrund verständlich. [vgl. Schmidt, 2016, S. 21]
- Toolunterstützung: EPK wird von gängigen Modellierungstools wie Signavio, Camunda oder ARIS unterstützt, was die Integration in bestehende Unternehmensarchitekturen erleichtert.
- Analyse- und Simulationsbasis: Die EPK eignet sich als Grundlage für Prozessanalysen, Szenariosimulationen und Soll-Ist-Vergleiche. [vgl. DVZ, 2011, S. 17]
Nachteile der EPK
- Schwächen bei Kreativ- und Ausnahmeprozessen: EPK ist nur eingeschränkt geeignet zur Darstellung unstrukturierter, kreativer oder interaktiver Tätigkeiten. [vgl. Gronau, 2016, S. 21]
- Komplexität bei großen Modellen: Bei umfangreichen Prozessen kann die Top-Down-Darstellung ohne Modularisierung unübersichtlich werden.
- Eingeschränkte internationale Relevanz: Aufgrund mangelnder Normierung und lediglich starker Verbreitung im deutschsprachigen Raum ist die EPK außerhalb Europas wenig etabliert. Heute dominieren BPMN 2.0 und UML in globalen Projekten. (vgl. OMG, BPMN 2.0, 2023)
Trotz der genannten Schwächen ist die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) insbesondere für die erstmalige Analyse und strukturierte Dokumentation von Standardprozessen geeignet. Sie bieten eine solide Grundlage für spätere Prozessoptimierungen, insbesondere in Organisationen, in denen noch keine formalen Prozessbeschreibungen existieren.
Literaturverzeichnis
- DVZ (2011): DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH (2011) Ausgewählte Modellierungs-Notationen im Überblick, S. 12;
http://www.cio.m-v.de/static/CIO/Dateien/KE/Prozessmanagement/Anlage_Modellierungsnotationen_im_Ueberblick_V03.pdf (Zuletzt aufgerufen am 07.01.2019, 17:11)
- Baumgartner, Ebert, Schleider: Heinz Baumgartner, Klaus Ebert, Karsten Schleider: „Regeln zur Modellierung von ereignisgesteuerten Prozessketten“ in Beilage zur kaufmännischen ZPG – Mitteilung Nr. 24, S. 6 ff.;
http://www.netzwerk-welt.de/common_files/BWL/EPK (Zuletzt aufgerufen am 07.01.2019, 17:13)
- Schmidt (2016): Dennis Schmidt (2016): „Modellierung von Geschäftsprozessen“, BF/M-Bayreuth, S. 17, 21-22.
http://www.ebusinesslotse-owl.de/wp-content/uploads/Teil_2_Gesch%C3%A4ftsprozesse_Detmold_DS_20141112.pdf (Zuletzt aufgerufen am 07.01.2019, 17:16)
- Gronau (2016): Univ.-Prof. Dr.–Ing. habil. Norbert Gronau: „Modellierung von Geschäftsprozessen mit EPK und BPMN“ (2016), S. 21.
https://wi.uni-potsdam.de/homepage/lehrewi.nsf/0/ceda9d16f28d54dfc1257ede003e674b/$FILE/EPK_BPMN-Modellierung.pdf (Zuletzt aufgerufen am 07.01.2019, 17:17)
- Ipekbayrak (2014): Gözde Ipekbayrak: „Eine vergleichende Betrachtung verschiedener Ansätze zur Modellierung von Prozessvarianten“ (2014, Universität Ulm), S. 8
http://dbis.eprints.uni-ulm.de/1122/1/BA_Ipekbayrak_14.pdf (Zuletzt aufgerufen am 07.01.2019, 17:20)
- Hansmann (2006): Dr. Karl-Werner Hansmann: Industrielles Management (2006, Oldenburg, 8. Auflage), S. 205 ff.
- Mands (2015): Marcel Mands: „Methoden der Geschäftsprozessmodellierung und deren Eignung zur Visualisierung von logistischen Prozessen. Aufgezeigt an Beispielen aus der Praxis.“ (2015), Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, S. 17.
http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2017/3983/pdf/Masterarbeit_Marcel_Mands.pdf (Zuletzt aufgerufen am 07.01.2019, 17:23)
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Über den Autor
Maximilian Voigt
Consultant
"Schon seit meinem ersten Nebenjob in der Schulzeit suche ich nach Wegen zur Effizienzsteigerung und Aufwandsabbau, als Consultant bei affinis nun auch seit geraumer Zeit hauptberuflich. Unsere Zeit ist kostbar, lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie wir Ihren Alltag optimieren können."
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