SAP S/4HANA Readiness Check: Was kann das Tool?


Im Jahr 2021 setzten sich die disruptiven Veränderungen im Zuge der Corona-Pandemie nochmal im schnelleren Tempo fort als bereits im Jahr 2020. Und so geht es auch 2022 weiter. Kaum ein Unternehmen ist von drastischen Veränderungen der Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe verschont geblieben. Dabei hat der Veränderungsdruck aus dem Tagesgeschäft oftmals die IT abgehängt oder vor große Herausforderungen gestellt. Es zeigt sich: Wer schnell auf Veränderungen reagieren kann und auch abseits der gewohnten Plattformen nach Lösungen schaut, gehört oft zu den Gewinnern der Krise. Mit einer frühzeitigen Vorbereitung auf die Transformation zu SAP S/4HANA können SAP-Anwender schon heute deutlich an Schlagkraft gewinnen und ihre IT zukunftsfähig aufstellen. Wir haben uns angeschaut, welche Erkenntnisse Unternehmen aus dem von SAP zur Verfügung gestellten Tool „SAP S/4HANA Readiness Check“ ziehen können und wie es dabei hilft, dass eigene ERP-System bereits vor der Transformation zu optimieren.

„Wer schnell auf die Veränderungen reagieren kann und auch abseits der gewohnten Plattformen nach Lösungen schaut, gehört oft zu den Gewinnern der Krise.“

Wer sich jetzt auf eine S/4HANA Transformation vorbereitet ist im Vorteil

Die Erfahrung aus Kundenprojekten zeigt, dass gerade jetzt der ohnehin bis 2030 notwendige Umstieg auf SAP S/4HANA große Vorteile bringt. In den letzten Jahren hat SAP sehr gute Arbeit geleistet, um die Transformation des in die Jahre gekommen R/3-Systems zu S/4HANA so einfach wie möglich zu machen. Der Readiness Check und die Process Discovery zeigen nicht nur auf das jeweilige ERP-System zugeschnittene Transformationswege auf, sondern bieten quasi sofort einen Echtzeit-Überblick über die eigenen Prozesse und Stammdaten. Dadurch ist es möglich, auch ohne einen sofortigen Umstieg auf S/4HANA, das System von störenden Altdaten zu befreien. SAP-Anwender können sich außerdem einen Überblick verschaffen, welche Prozesse sich durch die veränderten Arbeitsabläufe in den letzten zwei Jahren zu Flaschenhälsen entwickelt haben und das eigene System verlangsamen.

Unsere klare Empfehlung lautet: Nehmen Sie die Chance wahr, sich frühzeitig und umfassend auf die S/4 Migration vorzubereiten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Aktivierung der Geschäftspartnerintegration, welche für den Umstieg auf S/4HANA zwingend erforderlich ist. Sie verbessert die Stammdatenqualität im R/3-System deutlich. Im folgenden Artikel gehen wir auf die Chancen ein, die sich durch eine tiefgehende Analyse und vorbereitende Arbeiten bieten.

SAP S/4HANA Readiness Check: der Beginn der Transformation

Mit dem SAP S/4HANA Readiness Check ist für SAP-Anwender ein mächtiges Tool zur Analyse ihres bestehenden Systems verfügbar. Sowohl relevante Vereinfachungselemente, eine Kompatibilitätsumfangsanalyse, die HANA Sizing-, Custom-Code-, Schnittstelle- oder Datenqualitätsanalyse als auch allgemeine Verbesserungen durch die Nutzung von Fiori sind Teil des Readiness Checks. Selbst die Berechnung der geplanten Systemausfallzeit fehlt hier nicht.

Unser erfahrenes Team hat in den letzten Jahren eine Vielzahl dieser Readiness Checks ausgeführt. Trotzdem ist es jedes Mal überraschend, wie unterschiedlich die Systeme sind. Auffällig ist, dass in den letzten Jahren die Datenqualität stetig zugenommen hat. Gleichzeitig liegen aber große Mengen an Altdaten in den Systemen, die nicht mehr benötigt werden. Spätestens im Zuge der anstehenden S/4 Migration müssen SAP-Anwender diesen Ballast aus ihrem System entfernen. Warum also nicht jetzt schon anfangen?

SAP Custom-Code Analyse: Programmiersprachen auf den neusten Stand bringen

Ein spannender Bestandteil des SAP S/4HANA Readiness Checks ist die Custom-Code Analyse. Die SAP eigene Programmiersprache ABAB erschien im Jahr 1983, aber wie die IT-Systeme hat sich auch die Programmiersprache im Laufe der Zeit gewandelt. Bei bisherigen Updates des SAP ERPs haben diese Änderungen in der Sprache wenig Einfluss auf den Betrieb gehabt. Zwar waren einige Anweisungen danach deutlich effizienter und besser wartbar, eine Abwärtskompatibilität war aber immer gegeben. Aus diesem Grund haben viele Programmierer:innen ihre Programmiertechnik nicht angepasst. Gerade bei alten Programmen, die seit Jahren funktionieren, wurde auf diese Anpassungen verzichtet.

Unsere Entwickler:innen haben in Konzernen und auch bei mittelständischen Unternehmen Programme gesehen, die Sprachelemente aus zwei Jahrzehnten innerhalb weniger Zeilen Code enthielten. Beim Umstieg auf S/4HANA sind viele dieser alten Anweisungen jedoch nicht mehr erlaubt. Es lohnt sich also, sich schon jetzt damit auseinanderzusetzen, um zumindest die anstehenden Neuentwicklungen S/4HANA konform zu gestalten.

Zum Glück müssen SAP-Anwender nicht jedes Programm von Hand anpassen. Für einen Großteil der Anpassungen bietet SAP in der neuen Entwicklungsumgebung, den ABAP Development Tools (ADT), sogenannte Quick-Fixes an. Quick-Fixes sind Anpassungen, die keinen Einfluss auf die Programmlogik haben und automatisiert erfolgen können. Erfahrungsgemäß lassen sich ca. 60 Prozent der Befunde dadurch beheben.

„Erfahrungsgemäß lassen sich ca. 60 Prozent der fehlerhaften Code-Befunde durch die ADT Quick-Fixes beheben.“

Zusammen mit dem SAP S/4HANA Readiness Check wird auch das ABAP Test Cockpit (ATC) ausgeführt. Hier werden alle Eigenentwicklungen auf einem dafür bereitgestellten S/4HANA-System auf ihre Kompatibilität geprüft, die Fehler auf die Zeile genau ausgegeben und jeweils mit einem Korrekturvermerk versehen. Somit ist der Aufwand für die erforderlichen Anpassungen im Code sehr genau planbar.

Vereinfachungselemente: Vorbereitung auf die neue Architektur und Datenhaltung

Planbarkeit ist ein gutes Stichwort für die nächste und wichtigste Kategorie des SAP S/4HANA Readiness Checks: die Vereinfachungselemente. Um die architektonischen Änderungen umzusetzen, die die hohe Performance und effizientere Datenhaltung von S/4HANA-Systemen ermöglichen, müssen Grundlagen des R/3-Systems verändert werden. Dadurch, dass SAPs alte ERP-Version über 25 Jahre in verschiedene Richtungen gewachsen ist, gibt es eine Vielzahl an Datenstrukturen und Architekturen, die oft denselben Zweck erfüllen. Um einen großen Sprung in Richtung Zukunft zu machen, hat SAP ein vereinfachtes Datenmodell und eine einheitliche Architektur als Hauptziel der neuen Business Suite ausgerufen. Dies funktioniert nicht ohne Anpassungen – im SAP-Wortschatz „Vereinfachungen“ genannt.

Insgesamt gibt es aktuell mehr als 600 dieser Vereinfachungselemente. Diese reichen von einfachen Customizing Einstellungen bis hin zu komplexen Prozessanpassungen. Es ist jedoch nicht so, dass für jeden Kunden alle 600 Elemente relevant sind. Im Durchschnitt liegen unsere Kunden bei zwischen 50 und 80 für sie relevanten Vereinfachungselementen. Durch die Vielzahl der Analysen haben wir uns einen Katalog aufgebaut, der die Aufwände je Vereinfachungselement annähernd beschreibt.

Dadurch ist eine sehr genaue Planung der nötigen Prozess- und Stammdatenänderungen möglich. Außerdem wissen wir bereits genau, welche Prozesse sich für die Anwender:innen in den einzelnen Fachbereichen ergeben. Neue Transaktionen sind meistens abschreckend, mit dem richtigen Change Management aber oft einfach erklärt und bei näherer Betrachtung ist auch verständlich, warum SAP sich für die jeweilige Anpassung entschieden hat.

Einführung des Geschäftspartnermodells

Einige dieser Vereinfachungselemente eignen sich sehr gut für Vorprojekte. Eines der größten, bei jeder Migration notwendigen Vereinfachungselemente ist die Einführung des Geschäftspartnermodells. Im R/3-System gibt es Debitoren und Kreditoren. Teilweise tritt ein Debitor auch als Kreditor auf und umgekehrt. Mit der Einführung des S/4HANA-Stammdatenmodells wird daraus der Geschäftspartner. Ein Geschäftspartner kann mehrere Rollen haben, also als Debitor und als Kreditor auftreten. Mit der Einführung der Geschäftspartner gibt es eine deutlich strengere Prüfung der Stammdaten. Dadurch kann der Automatisierungsgrad der Prozesse erhöht werden. Diese Umstellung ist auch bereits im R/3 System möglich und wird von uns empfohlen.

S/4HANA-Kompatibilität: Sind die eigenen Add-ons für die neue Business Suite geeignet?

Zusätzlich gibt der SAP S/4HANA Readiness Check Hinweise auf die S/4-Kompatibilität installierter Add-ons, Schnittstellen und aktivierter Business Functions. Hier ist es notwendig, sich frühzeitig mit dem jeweiligen Hersteller auseinanderzusetzen oder eine alternative Lösung zu finden, falls das benötigte Add-on unter S/4HANA nicht mehr verfügbar ist.

Auch für die Planung der Investitionen in neue Hardware oder dem Weg in die Cloud gibt der SAP Readiness Check Hinweise. Auf Basis des HANA Sizings erhalten Kunden Kalkulationen für Hardware ähnlicher Größenordnung, Kosten für SAP on Azure oder den Weg in die SAP eigene Cloud.

Wie affinis Ihnen bei der Vorbereitung Ihrer S/4HANA Transformation helfen kann

Im Rahmen unserer Analysepakete führen wir den SAP S/4HANA Readiness Check und das ABAP Test Cockpit auf Ihrem ERP-System durch. Unser erfahrenes Team wertet die Ergebnisse aus und präsentiert Sie Ihnen in einem Workshop. Zusätzlich zum Basispaket bieten wir Ihnen eine auf Ihr System zugeschnittene Analyse der verschiedenen Transformationsszenarien (Greenfield, Brownfield, Selective Data Transition) an. Hierbei wird neben dem SAP S/4HANA Readiness Check auch das SAP-Tool Process Discovery eingesetzt. Dabei wird das System über einen längeren Zeitraum ausgewertet und verschiedene KPIs mit Unternehmen ähnlicher Größe und Ausrichtung verglichen.

Schlussendlich erhalten Sie so eine umfassende Analyse, wie Sie Ihr System schon jetzt optimal auf eine spätere S/4HANA-Transformation vorbereiten können und mit welchem Aufwand Sie bei der Umstellung auf die neue ERP-Version planen müssen.

Mehr über unsere S/4HANA Analysepakete können Sie in unserem Discovery Pager nachlesen.


affinis-sap s4hana-umstellung-workshop-anzeige_2